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Leichtes Gepäck


Nun ist es schon einen Monat her, dass wir uns auf halbem Wege getroffen haben, um in unser Abenteuer aufzubrechen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, jeder Tag, jeder Ort, jede Begegnung ist einzigartig und doch verschwimmt alles rückblickend irgendwie. Wir nehmen Zeit und Raum ganz anders wahr, manchmal wissen wir nicht, welcher Wochentag gerade ist, vom aktuellen Zeitgeschehen „da draußen“ bekommen wir nur selten etwas mit- viel zu sehr sind wir damit beschäftigt, „da draußen“ unterwegs zu sein, einen Fuß vor den anderen.
Mehrfach sind wir unser Gepäck durchgegangen und haben Stück für Stück losgelassen von vermeintlichen Sicherheiten. Wir stellen fest, dass sich hier in Deutschland, das so dicht besiedelt ist, immer Lösungen finden und wir viele Dinge, wie etwa ein Zelt, gar nicht brauchen. Dort, wo wir für die Pferde einen Platz finden, gibt es auch immer einen Schuppen, ein Heuboden oder ein Vordach, unter das wir uns legen können. So kommen wir schnell in Kontakt mit den Menschen vor Ort, nicht selten werden wir dann auch noch eingeladen, eine Dusche zu nehmen, ein gemeinsames kühles Getränk zu genießen oder gemeinsam im Garten zu frühstücken. Wir sind unglaublich berührt von all der Gastfreundschaft und glücklich, auf diesem Wege viele neue Kontakte zu knüpfen und Einblicke in ganz verschiedene Lebenswelten zu bekommen.

Es reist sich besser mit leichtem Gepäck heißt es. Wir spüren das täglich, wenn wir unsere Pferde bepacken und uns nach kurzer Zeit erstaunt fragen, ob wir etwas vergessen haben, da das Packen so schnell ging. Oder wenn wir nach einer längeren Strecke einen schönen Waldweg entlang laufen und beschließen, uns doch mal einen Moment tragen zu lassen – jetzt, wo wieder Platz auf dem Sattel ist. Jubelnd galoppieren wir dann den Hügel hoch und können uns nun ganz besonders an diesem Gefühl erfreuen. Den Pferden tut es auch gut, sich zwischendurch mal schneller fortzubewegen, sich zu strecken,, , tiefer zu atmen. Durch das viele geradeaus im Schritt gehen werden die Pferde recht einseitig belastet. Mit kleinen gymnastizierenden Übungen versuchen wir, die Pferde weiterhin beweglich zu halten und einen Ausgleich zu schaffen. Dennoch bauen sie mit der Zeit im Rücken Muskeln ab, weshalb wir bereits unterwegs eine Sattlerin aufsuchen mussten, um Santos Sattel neu anzupassen. Auf die Schnelle jemanden zu finden stellte sich als sehr schwierig heraus – ähnlich wie Schmiede sind die Sattler rar und entsprechend gefragt und ausgebucht -, aber als wir dann fündig wurden, klappte es doch sehr unkompliziert und die Pferde konnten die Pause dank der liebevollen Umsorgung dort zum Krafttanken nutzen – herzlichen Dank noch einmal, liebe Doris!

Es ist spannend zu beobachten, wie sich die Landschaft langsam verändert, die Wälder, die Bäume… durch das langsame Reisen nehmen wir viel bewusster wahr. Auch in den Dörfern, durch die wir kommen, nehmen wir völlig unterschiedliche Stimmungen wahr. Selten begegnen uns die Menschen abweisend oder unsicher, viel öfter stoßen wir auf viel Offenheit, Interesse und Hilfsbereitschaft. Wenn wir in den kleinen Städten durch die Altstadt laufen, sind die Pferde regelrecht eine Attraktion und zeitweise dann umringt von Kindern. Aus irgend einem Grund finden die Pferde, dass so ein Altstadt Kern ein wunderbarer Ort zum Ruhen und Dösen ist und so nutzen wir die Gelegenheit gerne, um ein Eis zu genießen 🙂

Nachts hingegen finden die Pferde manchmal nur schwer Ruhe, insbesondere in der Dämmerung werden sie oft von Insekten geplagt. Die Art und Intensität der Insekten variiert ebenso stark wie auch sonst die sich wandelnde Umgebung, was es schwierig macht, vorauszusehen, welcher Ort besser oder weniger gut geeignet ist. Unsere mitgebrachten Fliegenmasken müssen wir je nach Weide gelegentlich schnell vor dem sicheren Schubber-Tod am nächstgelegenen Baumstamm retten.

Nach ein paar Pausentagen sind wir nun wieder unterwegs und freuen uns auf die kommenden Tage, Erlebnisse und Begegnungen bis zu unserem Zwischenziel in Kempten.

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