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Unsere ersten Tage unterwegs

Am 9. Juni haben wir uns in Bad Neustadt an der Saale getroffen- ungefähr in der Mitte zwischen dem Allgäu und Hamburg. Zum ersten Mal treffen nun unsere beiden Pferde aufeinander und die Aufregung und Vorfreude auf die bevorstehenden Monate steigt. Gemeinsam soll es nun in Richtung Berge gehen, mit einer Alpenüberquerung als krönenden Abschluss.

Zwei Tage haben wir in der Nähe von Bad Neustadt bei Vronis Verwandtschaft verbracht, haben Pläne geschmiedet, aussortiert und die Gepäckbefestigung optimiert. Derweil durften die Pferde im Wohngebiet das lange Gras und die Aufmerksamkeit zahlreicher Kinder und anderer Zaungäste genießen.

Seit 10 Tagen sind wir nun zu Fuß unterwegs. Unser Weg führt uns über zahlreiche wunderschöne Feldwege, mit Mohn und Kornblumen geschmückt, durch kühlende Wälder und schöne Dörfer. Wir genießen traumhafte Pfade , endlos lange, schnurgerade Forstwege, müssen jedoch auch gelegentlich durch Industriegebiete oder an Bahngleisen entlang- wenn man keine ungeheuren Umwege in Kauf nehmen möchte, gehört eben all das dazu.

Von einem Tag auf den anderen ist der Sommer voll da, wir (auch die Pferde) schwitzen, der dröhnende Schädel mahnt zu Pausen unter dem nächstgelegenen Baum und die Insekten erfreuen sich an unseren Pferden.

Die Suche nach Unterkünften verlief bisher problemlos. Wir schlafen in Ställen und Schuppen oder einfach unter dem Sternenhimmel. Frieren müssen wir bei den Temperaturen nicht, eher werden vor Hitze aus dem Schlafsack ragende Körperteile von zahlreichen Mückenstichen geziert. Auch die Beschaffung von Lebensmitteln gestaltet sich einfacher als gedacht. Unser auf Autarkie großzügig angelegter Vorrat an Couscous, Kartoffelbrei und Tütensuppen wird von A nach B geschleppt, da sich fast überall eine bessere Gelegenheit findet – Pizzerien und Supermärkte laden quasi täglich dazu ein, noch EINMAL etwas frisches und abwechslungsreiches zu essen, bevor es dann nichts mehr gibt – bis zum nächsten Tag, der nächsten Pizza, dem nächsten Supermarkt. Einmal, als wir tatsächlich kurz davor waren, auf unsere Notfallnahrung zurückgreifen zu müssen, bekamen wir stattdessen einen Korb vorbeigebracht mit einem Traumfrühstück, bei dem es wirklich an nichts fehlte – was für eine schöne Überraschung, vielen herzlichen Dank nochmal dafür!

Gegen Ende unserer ersten Woche erhalten wir über die sozialen Medien eine Einladung für einen besonders schönen Schlafplatz und so entscheiden wir, dort einen Pausentag einzulegen. Am folgenden Tag begleitet uns unsere Gastgeberin für eine Etappe, so lernen wir ihre Umgebung und eine hervorragende Eisdiele. Zu dritt landen wir an dem Abend auf einem wunderschönen alten Vierseithof, einer ehemaligen Mühle.

Wir sind überwältigt von der Geschichte und dem Herzblut, das in diesem Hof steckt und da Freda ein wenig kränkelt, entschließen wir uns spontan dazu, hier zwei weitere Tage zu verbringen. Zunächst fällt uns der Entschluss dazu schwer, da wir gerade erst einen Pausentag eingelegt haben und wir noch einige hundert Kilometer bis zu unserer Zwischenstation in Kempten bewältigen müssen. Doch dann besinnen wir uns darauf, was diese Tour, unseren WANDELritt, ausmachen soll: auf unsere Intuition zu hören, uns treiben zu lassen und eben nicht nur auf den Kilometerstand und die Geschwindigkeit zu schauen. Wir wollen Zeit haben für Begegnungen mit inspirierenden Menschen, und unser Gastgeber Armin ist so ein Mensch. So kommt es, dass wir nun zwei schöne, entspannte Tage hier in der Mühle verbringen, die Seele am Teich und am Bach baumeln lassen, zahlreiche Gespräche führen und spannende Projektideen für uns und diesen Ort sammeln. Außerdem gehen wir noch einmal gründlich unser Gepäck durch und können tatsächlich so viel aussortieren, dass ein ganzes Paar Packtaschen wegfällt – ein Prozess des Loslassens von vermeintlichen Sicherheiten, der sehr befreiend ist. Sobald Santos Sattel angepasst ist, können wir mit dem jetzigen Gepäck nun sogar zeitweise ein wenig reiten. In zwei Tagen kommen wir bei einer Sattlerin vorbei und drücken nun die Daumen, dass sie uns weiterhelfen kann. Santo hat sich unterwegs noch einmal im Rücken verändert und im Schweißbild sind nun Druckstellen erkennbar- das wollen wir natürlich so schnell wie möglich beheben! Nach zahlreichen erfolglosen Anrufen bei Sattlereien in der Umgebung scheinen wir nun eine gute Lösung gefunden zu haben. Wir freuen uns schon riesig darauf, dann vielleicht sogar mal schneller unterwegs zu sein. Bei einem schönen Ausritt während unserer Pausentage hier konnten wir bereits den ersten gemeinsamen Galopp mit unseren Pferden genießen. Auch die die fünf Kinder der auf dem Hof wohnenden Familie durften reiten und sich an den Pferden erfreuen – für letztere gab es zum Dank Möhren und für uns einen rührenden Brief.

Wir sind gespannt welche weiteren Begegnungen, Orte und Abenteuer auf uns warten.

3 Gedanken zu „Unsere ersten Tage unterwegs“

  1. Wow! So etwas in Kleinformat möchte ich auch mal gerne machen❣️
    Toller Bericht, ich freue mich auf die folgenden.
    Viel Spaß weiterhin!

  2. Susanna Batteiger-Ege

    Klingt toll. Wenn ihr Richtung Füssen seid, könnt ihr gerne in Steingaden bei uns Pause machen. Einfach melden, wenn es auf der Strecke liegen sollte.

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